Hier stehe ich nun. Die Atombombe befindet sich direkt vor mir. Ich muss nur den Auslöser drücken. Bezahlt worden bin ich schon zur Hälfte. 5 Millionen auf ein Konto meiner Wahl. Die habe ich natürlich direkt abgehoben. Man weiss ja, was alles passieren kann. Sperrung des Kontos, man könnte mich festnehmen, wenn ich an das Geld will. Aber so was macht man nicht mit mir. Da bin ich schon schlauer.
“Ha…früher aufstehen müsst ihr.”
Jetzt muss ich den Timer der Bombe starten. In einer Stunde gibt es eine Halbkugel der Welt nur noch teilweise, sie wird ausgestorben sein. In ein paar Monaten wird es dort kein Leben mehr geben. Ich bin damit beauftragt worden, ich habe es mir verdient.
Als den meistgesuchten Terroristen der Welt, kann man mich bezeichnen. Angefangen habe ich vor knapp zehn Jahren als gewöhnlicher Kleinkrimineller. Ne harte Zeit war es gewesen. Aber jetzt habe ich es geschafft, zehn Millionen für einen Auftrag.
Danach habe ich ausgesorgt. Aber soll ich aufhören? Ich machte es doch nicht nur des Geldes wegen. Ich wollte es allen zeigen und weiss Gott, das habe ich. Nach dieser Aktion ist der ganzen Welt mein Name bekannt, wenigstens der Hälfte, die dann noch übrig ist. Alle werden wissen, dass ich der gefährlichste Mensch der Welt bin.
Man wird mich fürchten.
Aber was soll ich dann machen? Eine neue Identität steht wieder an. Nie werde ich an einem Fleck bleiben können. Wieder nur umherreisen, die Spuren verwischen, untertauchen. Viel Aufregung, aber nie Ruhe. Immer den Gedanken im Hinterkopf, “man könnte mich erkennen, vielleicht sogar fassen.”
Nun, bis jetzt hatte es immer funktioniert. Aber mit Erstaunen bemerke ich, dass es mir jetzt was ausmacht. Ich will den Ruhm genießen, einfach Ferien machen, nach Hause kommen, geliebt werden, erwartet werden.
Was sind das für Gedanken? Liegt es daran, dass gerade Weihnachtszeit ist? Werde ich deswegen so emotional?
Der große Knall steht kurz bevor, mein Durchbruch. “Du wirst doch jetzt nicht schwach werden. Dieser Moment gehört Dir alleine.”
Ich gucke mir die Bombe an. So viel Macht, so viel Kraft und mir gehört sie, mir gehorcht sie. Eine Woge von Stolz überflutet mich. Ich muss lächeln.
“Ok, dann wollen wir mal. Welt, wenn Du den Knall hörst, ist es mein Triumph.”
Ich frohlocke innerlich, schiebe die negativen Gedanken von eben weg.
“Gott, selbst Deine Macht war nie größer, als meine in diesem Moment. Nie hast du eine so große Zerstörung angerichtet, wie ich es gleich werde. Fürchte mich. Ich bin der Gott dieser neuen Welt.”
Ich gehe einen Schritt auf die Bombe zu. Hinter mir raschelt es. “Hat man mich entdeckt?”
Ich schnelle herum, in der Bewegung ziehe ich meine Waffe. Entsichert ist sie. Eine gesicherte Waffe stiehlt einem wertvolle Sekunden, die man in solchen Momenten nicht hat.
Aber da ist nichts. Ich sehe eine Bewegung in den Augenwinkeln. Blicke zur Seite. Was ich jetzt sehe, hätte ich nie erwartet, nicht jetzt.
Da liegt ein Welpe, ein weißer kleiner Hund. Was für eine Rasse weiss ich nicht, habe mich noch nie für Tiere interessiert. Er guckt mich aus seinen kleinen Augen hilflos an. Was soll ich jetzt machen? Ich spüre eine Gefühlsregung in mir. So etwas intensives kannte ich bis jetzt nicht. Was soll das?
Ich sehe die Waffe in meiner Hand, wie sie auf das arme Geschöpf zeigt. Schuldbewusst stecke ich sie wieder weg.
Ich gehe in die Hocke, strecke vorsichtig meine Hand zu diesem Wesen aus. Es springt zu meiner Hand, kuschelt sich daran, jetzt leckt es sie ab. Und dann kippt es zur Seite. Tollpatschig versucht es wieder aufzustehen. Jetzt kann ich nicht mehr anders.
Ich muss es auf den Arm nehmen. Es leckt mir das Gesicht ab. “Du süßer Kleiner.”
Ich bin glücklich. Ich drehe mich Richtung Bombe, sehe sie an. Irgendwie verbindet mich nichts mehr mit diesem Stück Metall. Meine Ziele, Gedanken, kommen mir auf einmal falsch vor.
Dieser Hund hat mich akzeptiert, so wie ich bin. Ich muss nichts beweisen, nichts erreichen. Das ist gut, oder nicht?
Ich sehe es vor meinen Augen. Ich habe die Wahl. Ein freies Leben kann ich führen. Ich kann noch glücklich werden. Von ganz unten muss ich anfangen. Ist es das wert? Ich gucke den Welpen an, spüre den Vorgeschmack von Frieden und weiss, das ist es.
“Gott. Du bist ein Fuchs. Aber nur zu Deiner Info, ich hätte es tun können. Es war alleine meine Entscheidung…”
Ich hole mein Handy aus der Tasche, wähle die Nummer der Antiterror – Einheit. Gut, dass ich ein neues Prepaid Handy habe, nicht aufzuspüren, wer ich bin.
Ich gebe die Position der Bombe bekannt, nenne genaue Maße, die Ziele der Auftraggeber, die Namen. Alles plaudere ich aus.
Zum Schluss fragen sie mich noch, woher ich das weiss. Ich kann mir ein Lachen nur schwer verkneifen. “Ein weißer Welpe hat es mir geflüstert”, dann lege ich auf.
Ich fühle mich erleichtert, befreit. Ich sehe den Kleinen an. “Danke.” Mehr kann ich nicht sagen. Er schließt die Augen, kuschelt sich in meine Armbeuge.
Ich blicke mich um. Da vorne ist die Tür, gedacht als mein Fluchtweg. Doch es wird mein Weg zur Freiheit sein. Der Weg in ein neues, besseres Leben. Einmal gucke ich mir noch die Bombe an.
Dann gehe ich zur Tür, öffne sie und gehe hindurch.
In eine ungewisse Zukunft, ein ungewisses Leben, aber mit dem Ziel mir meinen Frieden zu schaffen, glücklich zu werden.




