Er verließ das Geschäft. Musste sich an stürmenden Müttern, quängelnden Kindern vorbeischieben.
Einkaufswagen rauschten an, als wenn sie einen zerquetschen wollten. In letzter Sekunde wich er einem aus, der ihn von rechts erwischen wollte.
Anfang des Monats.
Wie sehr hasste er das. Wie die Verrückten rannten dann alle los, als wenn sie den ganzen Monat darauf gewartet hätten. Nun, vermutlich hatten sie das. Nicht den ganzen Monat, aber seit dm Ende einer Woche bestimmt.
Bei ihm war es immer so. Am Ende des Monats war einfach Ebbe.
Er bog nach rechts ab. In den Fluss von den Menschen, der immer weiterströmte. Schuhgeschäfte, Drogerien, Bekleidungsläden.
Hier ein Angebot, dort Schlussverkauf. Ein Raunen ging durch die Masse und ein Teil brach aus, verließ den Strom, um sich ihr Schnäppchen zu holen.
Gehetzte Gesicher, bepackte Väter, aufgeregte Kinder, suchende Mütter, sie alles fanden ihren Platz hier. Gesicht um Gesicht, Leben für Leben, zog an ihm vorbei. Dann sah er ein junges Mädchen, sie blickte ihm in die Augen. Und zog auch vorbei.
Er blieb abrupt stehen, wurde direkt angerempelt, angeflucht, ein Kinderwagen fuhr ihm in die Hacken.
Fluchtartig verließ er den Strom. Weit konnte sie noch nicht weg sein. Er kannte sie. Sehr kurz hatten sie mal was zusammen gehabt. Viele Träume, sehr viele echte Gefühle, eine zeit lang Frieden, aber das Leben hatte sie auseinandergerissen.
So blieb ihnen keine Wahl, das auf irgendwann zu verschieben, eine Auszeit zu nehmen. Es war mitlerweile schon fünf Jahre her, wie er erstaunt feststellte.
Er hatte sie geliebt.
Und dann warf er sich gegen den Strom, tauchte ein, wich aus, kämpfte dagegen an. Ein Ziel formte sich in ihm, ließ ihn aus der Richtung ausbrechen. Immer weiter ging es, er suchte, guckte, viele junge Frauen, Mädchen, aber nicht die, die er suchte.
Dann sah er sie. Sie stand vor dem Geschäft, dass er gerade verlassen hatte. Er flüchtete aus dem Strom, ein “netter Ausdruck” begleitete ihn.
Er stellte sich neben sie. “Hi. Lust einen Kaffee mit mir zu trinken?” Fragte er sie.
Sie drehte den Kopf, blickte ihn einen Moment schweigend an, dann sagte sie mit einem Lächeln:
“Warum nicht. Gerne. Ich kenne ein hier in der Nähe. Komm mit.”
Sie stellten sich zusammen gegen den Strom. Und als er dachte, dass sie sich jeden Moment verlieren würden, nahm sie seine Hand. Sein Herz machte einen Sprung.
Warum er sie angesprochen hatte?
Nun, die Hoffnung stirbt zuletzt. Und was passieren würde, das wusste er nicht. Aber er war bereit, das Risiko einzugehen. Egal wie es enden würde.
Sie betraten das Kaffee…………




